CO2-Preis 2027: Was Gas- und Ölheizer wirklich zahlen
Weit verbreitet und falsch: Der EU-Emissionshandel ETS2 startet nicht 2027, sondern 2028. Für 2027 bleibt es beim nationalen Korridor von 55–65 €/t. Was das für deine Gas- oder Ölrechnung bedeutet — mit Rechnung für 20.000 kWh.

Rechtsstand: 29.07.2026 · Förderstand: 21.07.2026
Für 2027 soll der CO2-Preis bei 55–65 Euro pro Tonne bleiben — genau wie 2026. Der europäische Emissionshandel ETS2, der oft für 2027 angekündigt wird, startet erst 2028. Wer für 2027 mit einem Preissprung plant, plant falsch.
Diese Korrektur ist der Grund, warum wir diesen Artikel im August 2026 überarbeitet haben: Sehr viele Seiten im Netz — auch aktuelle — schreiben weiterhin, ab 2027 übernehme der ETS2 und der Preis werde dann am Markt gebildet. Das war einmal die geltende Rechtslage. Das EU-Parlament hat den ETS2-Start am 12.11.2025 um ein Jahr verschoben.1
Was das konkret für deine Gasrechnung oder deinen Heizölverbrauch bedeutet, und ab wann sich der Wechsel zur Wärmepumpe allein durch die CO2-Ersparnis lohnt: Wir rechnen es unten vor.
Was ist die CO2-Abgabe und warum steigt sie?
Seit 2021 gilt in Deutschland der nationale CO2-Preis auf fossile Brennstoffe — darunter Erdgas, Heizöl, Flüssiggas und Kohle. Prinzip: Je mehr CO2 ein Brennstoff bei der Verbrennung erzeugt, desto teurer wird er durch die Abgabe.
Die Entwicklung:
| Jahr | CO2-Preis | Kommentar |
|---|---|---|
| 2021 | 25 €/t | Einführung |
| 2022 | 30 €/t | Geplanter Anstieg |
| 2023 | 30 €/t | Eingefroren wegen Energiekrise |
| 2024 | 45 €/t | Wiederaufnahme |
| 2025 | 55 €/t | |
| 2026 | 55–65 €/t (Ø 60) | BEHG § 10: Versteigerungskorridor, gesetzlich fix — das einzige Jahr, das keine Projektion ist |
| 2027 | 55–65 €/t (Ø 60) | Fortführung des 2026er Korridors. Regierungsentwurf am 12.08.2026 vom Kabinett beschlossen, noch nicht in Kraft |
| 2028 | 45–60 €/t | ETS2-Start, anfangs durch die Marktstabilitätsreserve gedämpft |
| 2029 | 55–80 €/t | ETS2, zweites Jahr — Marktprognose |
| 2030 | 48–350 €/t | Veröffentlichte Prognosespanne, bewusst sehr breit |
| 2035 | 120–250 €/t | EWI Köln: Gleichgewichtspfad im Mittel 160 €/t |
Ab 2028 löst der europäische Emissionshandel für Gebäudewärme (ETS2) den nationalen Korridor ab. Ab 2030 ist die Spanne zwischen den Szenarien so groß, dass eine einzelne Preisangabe irreführend wäre — deshalb steht dort ein Korridor und keine Zahl.2
Die Spanne für 2030 haben wir im August 2026 nach oben korrigiert: von vorher 48–180 €/t auf 48–350 €/t. Nicht, weil eine neue Prognose erschienen wäre, sondern weil die engere Spanne mehr Sicherheit behauptete, als die zugrunde liegenden Quellen hergeben.
Was bedeutet das für deine konkreten Heizkosten?
Gasheizung
Typisches Einfamilienhaus, 140 m², ca. 20.000 kWh Gasverbrauch pro Jahr:
Bei diesem Verbrauch fallen 4,02 Tonnen CO2 pro Jahr an (20.000 kWh × 0,2009 kg/kWh nach EBeV 2030 Anlage 2). Alle Beträge unten sind Bruttobeträge inklusive Mehrwertsteuer — das ist der Aufschlag, der tatsächlich auf deiner Rechnung landet.3
| Jahr | CO2-Preis | Mehrkosten durch CO2-Abgabe |
|---|---|---|
| 2024 | 45 €/t | ~215 €/Jahr |
| 2025 | 55 €/t | ~263 €/Jahr |
| 2026 | 55–65 €/t (Ø 60) | ~287 €/Jahr |
| 2027 | 55–65 €/t (Ø 60), Entwurf | ~287 €/Jahr |
| 2030 | 48–350 €/t (Spanne, keine Punktschätzung) | ~230–1.675 €/Jahr |
Heizöl
Bei 2.000 Litern Jahresverbrauch:
2.000 Liter Heizöl entsprechen rund 20.000 kWh und damit 5,33 Tonnen CO2 pro Jahr (0,2664 kg/kWh). Heizöl ist pro Kilowattstunde deutlich CO2-intensiver als Erdgas — deshalb liegen diese Beträge rund ein Drittel höher.
| Jahr | CO2-Preis | Mehrkosten durch CO2-Abgabe |
|---|---|---|
| 2025 | 55 €/t | ~349 €/Jahr |
| 2026 | 55–65 €/t (Ø 60) | ~380 €/Jahr |
| 2027 | 55–65 €/t (Ø 60), Entwurf | ~380 €/Jahr |
| 2030 | 48–350 €/t (Spanne, keine Punktschätzung) | ~304–2.219 €/Jahr |
Die Zahlen klingen überschaubar — bis man sie auf 15 Jahre hochrechnet und mit steigenden Basisenergiepreisen kombiniert. Ab 2030 lässt sich die Spanne bewusst nicht mehr auf eine Zahl verengen: Zu unterschiedlich sind die Preisszenarien für den europäischen Emissionshandel.
Wer zahlt die CO2-Abgabe — Eigentümer oder Mieter?
Seit 2023 gilt ein gestuftes Aufteilungsmodell:
| Energieeffizienzklasse | Vermieteranteil | Mieteranteil |
|---|---|---|
| A+ bis C | 0 % | 100 % |
| D | 10 % | 90 % |
| E | 25 % | 75 % |
| F | 40 % | 60 % |
| G | 65 % | 35 % |
| H | 90 % | 10 % |
Konsequenz für Vermieter: Ein energetisch schlechtes Gebäude (Klasse G oder H) kostet dich als Vermieter mit jedem Jahr mehr — direkt durch die CO2-Abgabe.
Ab wann lohnt sich der Heizungswechsel?
Eine Wärmepumpe erzeugt keine direkten Emissionen durch Verbrennung und trägt deshalb überhaupt keinen CO2-Aufschlag — Strom fällt nicht unter das BEHG.
Für das Einfamilienhaus mit 20.000 kWh Gas von oben heißt das: Allein der CO2-Anteil summiert sich auf rund 4.300 € in 15 Jahren, wenn der Preis auf dem Niveau von 2026 bliebe. Das ist die konservative Rechnung — sie unterstellt, dass eine Abgabe, die seit 2021 von 25 auf 60 €/t gestiegen ist, ab jetzt stehen bleibt. Im oberen Bereich der Prognosespanne für 2030 wäre allein der Jahresbetrag fast sechsmal so hoch.
Was das für die Gesamtentscheidung bedeutet, lässt sich hier bewusst nicht als Tabelle hinschreiben. Die 15-Jahres-Kosten hängen an Investition, Förderquote, Jahresarbeitszahl, Wartung und deinem tatsächlichen Verbrauch — fünf Größen, die von Haus zu Haus stärker schwanken als der CO2-Preis. Genau diese Rechnung macht der kostenlose Energie-Report mit deinen Zahlen statt mit Durchschnittswerten.
Die Richtung ist trotzdem eindeutig: Der CO2-Aufschlag trifft ausschließlich die fossile Seite des Vergleichs, und er steigt.
Wie viel zahlt deine Heizung wirklich — heute und in 15 Jahren?
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Wie kann ich als Hausbesitzer die CO2-Kosten senken?
- Heizung modernisieren: Wärmepumpe, Pellets oder Hybridheizung reduzieren fossile Verbrennung direkt.
- Dämmung verbessern: Weniger Energieverbrauch = weniger CO2-Abgabe. Fassade, Dach und Kellerdecke haben den größten Effekt.
- Hydraulischen Abgleich durchführen lassen: Verbessert Heizungseffizienz um 10–15 %.
- Photovoltaik + Wärmepumpe kombinieren: Eigenstrom ist praktisch CO2-frei.
Wie entwickelt sich der CO2-Preis nach 2026?
Stand: 25.08.2026.
Für 2027 gilt: Der Korridor von 55–65 €/t soll fortgeführt werden. Der Weg dahin ist das Dritte Gesetz zur Änderung des Brennstoffemissionshandelsgesetzes. Sein Stand heute:
- 12.05.2026 — der Koalitionsausschuss verständigt sich darauf, den Preis 2027 stabil zu halten
- 02.07.2026 — Referentenentwurf des Bundesumweltministeriums, Verbändeanhörung bis 15.07.2026
- 12.08.2026 — das Kabinett beschließt den überarbeiteten Entwurf als Regierungsentwurf
- Herbst 2026 — Beginn des parlamentarischen Verfahrens
- noch offen — Verabschiedung und Verkündung
Das heißt: beschlossen ist ein Entwurf, nicht das Gesetz.4 Wir rechnen mit dem fortgeführten Korridor, weil er der wahrscheinlichste Fall ist — aber wir weisen ihn in unseren Reports als Projektion aus, nicht als geltendes Recht. Ohne die Novelle würde für 2027 die geltende Übergangsregelung greifen, die den nationalen Preis an den EU-ETS-1 koppelt; daraus wären nach Einschätzung des GdW 75–85 €/t möglich gewesen.4
Für die Jahre danach:
- 2028: 45–60 €/t (ETS2-Start, durch die Marktstabilitätsreserve gedämpft)
- 2029: 55–80 €/t
- 2030: 48–350 €/t — eine bewusst breite Spanne, keine Punktschätzung
- 2035: 120–250 €/t
Wer heute auf eine fossil betriebene Heizung setzt, wettet darauf, dass die CO2-Preise am unteren Rand dieser Spannen bleiben.
Fazit: Der CO2-Preis ist kein vorübergehendes Problem
Wer heute mit Gas oder Öl heizt, zahlt Jahr für Jahr mehr — das gilt spätestens ab dem ETS2-Start 2028 als gesetzlich verankerter Trend. Die genaue Höhe für 2027 ist noch nicht final beschlossen, die Richtung ist es. Die Frage ist nicht ob, sondern wann ein Umstieg wirtschaftlich unausweichlich wird.
Weiterführende Artikel: Wärmepumpe Kosten 2026 · Welche Heizung ist die richtige für mich? · Was das GModG geändert hat
Footnotes
-
Das EU-Parlament hat am 12.11.2025 dem Vorschlag der EU-Umweltminister zugestimmt, den Start des europäischen Emissionshandels für Gebäude und Verkehr (EU-ETS 2) um ein Jahr auf 2028 zu verschieben. Bis dahin gilt in Deutschland weiter das nationale Brennstoffemissionshandelssystem. ↩
-
Unsere Preispfade und ihre Quellen im Einzelnen unter Quellen und Datenstand. Der Wert für 2035 stammt aus der Untersuchung des EWI Köln „Auswirkungen und Preispfade des EU ETS2" (03/2025). Für Jahre nach 2035 liegt uns keine Veröffentlichung eines Index-Eigentümers vor — solche Werte weisen wir als unbestätigt aus, statt sie fortzuschreiben. ↩
-
Emissionsfaktoren nach EBeV 2030 Anlage 2, heizwertbezogen: Erdgas 0,2009 kg CO2/kWh (Nr. 6), Heizöl EL 0,2664 kg CO2/kWh (Nr. 3b). Beträge brutto, also mit dem Faktor 1,19 für die Mehrwertsteuer, weil der CO2-Aufschlag auf der Endkundenrechnung ebenfalls der Umsatzsteuer unterliegt. Es sind dieselben Faktoren, mit denen unsere Berechnung arbeitet — nachzulesen unter Quellen und Datenstand. Korrektur vom 25.08.2026: Eine frühere Fassung dieses Artikels rechnete mit niedrigeren Faktoren (rund 0,156 bzw. 0,235 kg/kWh) und wies die CO2-Kosten dadurch um 23 bis 29 % zu niedrig aus. Pellets und Holz sind feste Biomasse, fallen nicht unter das BEHG und tragen nie einen CO2-Aufschlag. ↩
-
Entwurf eines Dritten Gesetzes zur Änderung des Brennstoffemissionshandelsgesetzes. Referentenentwurf des BMUKN vom 02.07.2026, Stellungnahmen bis 15.07.2026; Kabinettbeschluss des überarbeiteten Entwurfs am 12.08.2026. Grundlage ist der Beschluss des Koalitionsausschusses vom 12.05.2026. Ohne die Novelle würde die geltende Übergangsregelung des BEHG greifen, die den nationalen Preis 2027 an den EU-ETS 1 koppelt; der GdW hält daraus 75–85 €/t für möglich. Welchen Wert wir in unseren Berechnungen ansetzen und mit welcher Kennzeichnung, steht unter Quellen und Datenstand. ↩ ↩2
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Häufige Fragen
- Wie hoch ist der CO2-Preis 2027?
- Er soll bei 55 bis 65 Euro pro Tonne bleiben, also unverändert gegenüber 2026. Umgesetzt wird das über das Dritte Gesetz zur Änderung des Brennstoffemissionshandelsgesetzes, das das Kabinett am 12.08.2026 als Regierungsentwurf beschlossen hat. Verabschiedet ist es noch nicht — das parlamentarische Verfahren beginnt im Herbst 2026.
- Startet der EU-Emissionshandel ETS2 im Jahr 2027?
- Nein, erst 2028. Das EU-Parlament hat den Start am 12.11.2025 um ein Jahr verschoben. Viele Quellen im Netz nennen weiterhin 2027, weil das bis dahin die geltende Planung war. Für 2027 bleibt es beim nationalen System mit dem Korridor von 55 bis 65 Euro pro Tonne.
- Wer kassiert die CO2-Abgabe?
- Der deutsche Staat — über den nationalen Emissionshandel (nEHS). Die Einnahmen fließen in den Klima- und Transformationsfonds.
- Ist die CO2-Abgabe dasselbe wie die Energiesteuer?
- Nein. Die Energiesteuer (früher Mineralölsteuer) existiert separat. Die CO2-Abgabe kommt zusätzlich dazu.
- Kann ich als Vermieter die CO2-Abgabe voll auf Mieter umlegen?
- Nur bei energieeffizienten Gebäuden (Klasse A+ bis C). Bei Klasse F–H trägst du als Vermieter den größeren Teil selbst.
